frankfurter rundschau vom 24. juni 2002
   

Im Tanzschritt durch die tote City

Die 2500 Teilnehmer der "Nachttanzdemo" mit Auflagen machten der Polizei nicht viel Arbeit

Von Peter Rutkowski

Mehr als 2500 Menschen kamen Samstagnacht zur neunten Frankfurter "Nachttanzdemo" zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt.

Nachdem nur einen Tag zuvor das Verwaltungsgericht der Veranstaltung den Status einer Versammlung zugebilligt hatte, konnte der Zug - wenn auch mit Lärm-Auflagen - stattfinden. Die Polizei führte die von acht Musikwagen begleitete Demonstration gegen Themen wie Globalisierung, Wirtschaftsliberalismus und Sicherheitspolitik auf einer Schlängelroute fast ausschließlich durch verlassene Straßen des Bankenviertels.

Das vorgegebene Ziel der Demonstration, der Hafentunnel, wurde nicht erreicht. Vier Stunden, zwischen 21 und 1 Uhr morgens, hatten die Veranstalter Zeit für den Zug.

Da nur (Tanz-)Schritttempo angesagt war, "wären wir sowieso nie am Tunnel angekommen", meinte Veranstalter Klaus Bossert. So machte der Demonstrationszug gegen Mitternacht am Roßmarkt Halt, wo die Route die Innenstadt streifte. Auf der Großen Gallusstraße zwischen Gutenbergdenkmal und Neuer Mainzer Straße folgte dann die "Party in the City", die die Teilnehmer sich ohnehin gewünscht hatten. Die Polizei schritt nicht ein.

Auch als sich gegen 1 Uhr kein Ende abzeichnete, hielt der Einsatzleiter, Oberkommissar Jochen Wegmann, seine Beamten zurück: "Hier sind noch über 2000 wenig kooperative Personen. Zwangsmaßnahmen werden wir keine ergreifen - das würde die Situation nur unnötig anheizen." Wegmann und Bossert handelten vor Ort eine weitere Stunde für Musik und Schlusskundgebung aus.

Gegen die deutlich überschrittene Geräuschpegelgrenze von 75 Dezibel - Bossert: "So laut ist ein simpler Generator oder fünf Pkw" - ging Wegmann auch nicht direkt vor. Es habe nur eine Festnahme wegen Angriffs auf eine Beamtin gegeben, berichtete Polizeisprecher Manfred Füllhardt. Eine "Rangelei" auf der Großen Gallusstraße am Ende der Demo und eine anschließende Party unter der Friedensbrücke endeten ohne größeren PolizeiEinsatz.

   

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