| Frankfurter Rundschau vom 11. Oktober 2003 | |
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Punkrock und Techno in Wohnzimmer-Lautstärke Eine Nachttanzdemo der leisen Töne, aber mit politischer Begleitmusik und stattlichen fünfzehn Einsatzwagen der Polizei
Wo sind die Wagen? Um 18 Uhr am Zoo auf jeden Fall nicht. Rund um den Springbrunnen vor dem Palais versammeln sich mehr und mehr Leute, die ratlos und suchend nach der Nachttanzdemo Ausschau halten. Die Polizei ist schon längst da, hat sich mit mehreren Mannschaftswagen um die überwiegend in schwarz gekleideten jungen Menschen postiert. Die Straßenbahnlinie 14 zuckelt vorbei, die Fahrgäste gucken durch die Fenster, als wären sie im Zoo. Andere, in Abendgarderobe, steigen aus und huschen ins Palais zum Abendball der Hochschule für Bankwirtschaft. Da, der erste Lastwagen fährt auf den Alfred-Brehm-Platz vor. House-Musik erklingt, Strahler zucken auf, die Botschaft der neunten Nachttanzdemo kommt klar und deutlich rüber: "Wir wollen unser Leben selbst gestalten, die Räume zurückholen, die die Stadtpolitik uns weggenommen hat", ruft Jens vom Rödelheimer Wagenplatz durch das Mikro. "Frankfurt ist tot, reclaim your area." Der Lastwagen fährt los, zwei Kleinbusse und zwei Pkw folgen ihm im Schritttempo über die Pfingstweidstraße. Aus den Lautsprecherboxen auf der Ladefläche dringt verhalten Punkrock, Gabba, Techno, Elektro und Drum & Bass - in Wohnzimmerlautstärke. 75 Dezibel im Abstand von 15 Metern ist erlaubt. "Der Generator hat schon 65 Dezibel", schimpft ein Fahrer. "Lauter", rufen die Paradegäste, die gemächlichen Schrittes vor und hinter den Wagen herlaufen, Bierdosen in der Hand, das Fahrrad neben sich herschiebend, manche ins Gespräch vertieft. Tanzstimmung will so recht nicht aufkommen. Einige drücken ihren Unmut auf andere Weise aus: Mit Fäusten trommeln sie gegen die Scheiben der Stadtbibliothek, wo Martin Walser liest. Beamte gehen dazwischen, der Pulk löst sich auf. An der Zeil bleiben Passanten stehen, rätseln, was es mit dem Demonstrationszug auf sich hat. "Keine Ahnung", heißt es lapidar aus der "Internetzone". "Irgendwas mit Jugendlichen, die gegen die Stadt sind", mutmaßen zwei ältere Herren, Höhe C&A. Vielen der 300 bis 400 Teilnehmern der Tanzparade ist jedoch klar, warum sie durch die Straßen ziehen: "Wir sind gegen die Kulturpolitik der Stadt", sagt eine 29-Jährige, "und gegen die Streichung der Gelder für soziale Einrichtungen", ergänzt eine 13-Jährige. "Außerdem kann man hier gut Leute kennen lernen." Sie zieht weiter. Hinter ihr folgen mit Blaulicht an die fünfzehn Einsatzwagen der Polizei. [ document info ] |
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