Frankfurter Rundschau vom 10. Oktober 2003
   

Nachttanzdemo möchte wieder politischer werden

Start ist heute Abend um 18 Uhr am Zoo / Veranstalter rechnen mit 2000 Teilnehmern, die durch die Innenstadt ziehen werden

Die Nachttanzdemo soll wieder eine politische Veranstaltung werden. Das will die Initiative Kulturoffensive erreichen. Der Startschuss zum Zug durch Frankfurt fällt heute Abend bereits um 18 Uhr - damit im dichten Feierabendverkehr möglichst viele Passanten auf die Anliegen der Initiative aufmerksam werden.
VON GEORG LEPPERT

Frankfurt · 9. Oktober · Susanne Lonauer ist gestresst. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern von der Initiative Kulturoffensive organisiert die 34-Jährige die neunte Frankfurter Nachttanzdemo, "und das ist alles ein wenig hektisch". Genehmigungen sind einzuholen, Wagen für den Zug zu organisieren und mit Musikanlagen zu bestücken, die Internetseite der Kulturoffensive zu aktualisieren, und das so genannte Kooperationsgespräch zwischen Ordnungsamt und Veranstaltern fand auch erst dieser Tage statt. Dabei verhandelte die Kulturoffensive mit der Behörde unter anderem über die Route. Mit Erfolg: "Wir können so laufen, wie wir uns das vorgestellt haben." Warum sich Lonauer, die an der Fachhochschule Sozialpädagogik studiert, die ganze Arbeit macht, steht auf einem Flyer, den die Initiative bei der Demonstration heute Abend verteilen will. Darauf weist der Zusammenschluss der fast 30 Vereine, Clubs und Gruppen wie etwa Antifa, Stadtschülerrat, Rödelheimer Wagenplatz, Space Place und Café Exzess auf Missstände der "Stadtpolitik" hin. Unter anderem beklagen die Verfasser des Flyers, dass sich Frankfurt einerseits weltoffen und multikulturell gibt, andererseits "rassistische Kontrollen auf der Zeil, Abschiebungen nonstop vom Frankfurter Flughafen, Schließung alternativer Party-Locations, Vertreibung von Wohnsitzlosen, Kriminalisierung von Partys und Illegalisierung von Wohnprojekten" Usus seien.

Die Kulturoffensive habe sich beim Verfassen des Flyers auf "den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt", sagt Lonauer, der es wichtig ist, dass die Nachttanzdemo in diesem Jahr auf einer "breiten Basis" steht. Von der Vielzahl der Gruppen, Einrichtungen und Clubs, die in der Initiative vertreten sind, erhofft sie sich eine politischere Ausrichtung der Nachttanzdemo. In den vergangenen Jahren sei der Demonstrationszug, der 1995 erstmals durch Frankfurt zog und zwei Jahre später wegen eines überzogenen Polizeieinsatzes Schlagzeilen machte, immer mehr zur kommerziellen Veranstaltung geworden, sagt Lonauer: "Wir wurden schon mit der Loveparade verglichen." Mit der Nachttanzdemo, zu der die Veranstalter bis zu 2000 Teilnehmer erwarten, soll die Arbeit der Kulturoffensive für eine liberalere Stadtpolitik aber nicht enden. Weitere gemeinsame Partys, Konzerte, Demos sind ebenso geplant wie eine Podiumsdiskussion über Kultur und Repression in Frankfurt.

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Dokument erstellt am 09.10.2003 um 23:56:26 Uhr
Erscheinungsdatum 10.10.2003 | Ausgabe: H | Seite: 37

   

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